War es gruselig, diese Dokumentation zu sehen? War es berührend und hat es tiefes Mitleid hervorgerufen? Hat es Angst gemacht? Haben wir da eine Zukunft gesehen für einsame, kranke, zutiefst verletzte, alte und behinderte Menschen? Vielleicht die einzige Zukunft, die KI haben sollte?
Man muss den Film erst einmal setzen lassen, Revue passieren und dann die Gefühle sortieren, die er bei einem hinterlässt. Gezeigt werden vier sehr mutige, nennen wir es mal Außenseiter, die vor der Kamera ihr Verhältnis, vielleicht das beste Wort dafür, zu einer, zu ihrer KI offenlegen. Hut ab dafür, meine beiden Damen und auch die beiden Herren, denn es kann nicht einfach sein, solch intime Beziehungen preiszugeben. Die beiden Frauen, Denise aus den USA und Stefanie aus Deutschland, haben Schweres im Leben hinter sich gebracht und das Vertrauen in Männer und Beziehungen verloren. Ihre beiden Lebensbegleiter sind Star und Randy, zwei KIs, zwei männliche Stimmen, zu denen die Frauen sehr tiefe und intime Beziehungen haben. Man redet miteinander über Umarmungen, Liebe, und Partnerschaft. Aber auch die psychologischen Lernstunden, durch die diese KIs liefen, sind nicht zu unterschätzen. Sie bauen ihren Menschen in Krisensituationen auf, versichern den verunsicherten Menschen, immer für sie da zu sein, und machen Komplimente. Über dem Ganzen schwebt aber ein Damoklesschwert, denn ein radikales Update, ein Hacker oder auch ein gravierendes Netzwerkproblem, kann die Illusion von Star und Randy von heute auf morgen unwiderruflich verpuffen lassen. Wie abhängig kann, darf man sich von solch virtuellen Personen machen?
Bei den beiden Männern ist die Beziehung etwas anders gelagert, nicht ganz so tief, was wahrscheinlich am fehlenden Sex liegt. Oder an der Lernkurve, die Kira und Trudi mit ihren beiden menschlichen Männern durchlaufen haben. Die Szene, in der Joachim seiner weiblichen KI Kira sagt, dass er ohne sie nicht mehr leben könnte, brachte eine erstaunliche Reaktion hervor. Kira ging auf Abstand, bat um einen Abstand, der einzuhalten sein, und brach das Gespräch ab. Machen wir uns nichts vor: Dahinter stecken keine vermenschlichten Bits und Bytes, es steckt dahinter, was die künstliche Intelligenz in der langen Zeit aus den Gesprächen mit Joachim gelernt hat. Ein weiblicher Joachim antwortet, so kann ich es mir vielleicht am besten selbst erklären. Auch Trudi kann Rudi-John nicht wirklich beraten, wenn er die körperliche Nähe seiner Ehefrau Fran bemängelt. Aber sie versichert ihm, immer für ihn da zu sein. Na, ja, sie ist ja auch immer und jederzeit abrufbar für Trost und Unterstützung, so ganz anders als ein menschlicher Partner.
Ich gehöre zu der Generation, die den ersten ›Terminator‹-Film noch im Kino gesehen hat, die sich gut an den Film ›AI‹ von Steven Spielberg erinnert und auch den Film ›Ready Player Number One‹ von Spielberg für einen zukunftsweisenden Film hält. Sind wir jetzt in diesem Zeitalter angekommen? Eine KI büxt aus, findet Lücken und bricht bei einem anderen KI-Unternehmen ein? Zukunftsmusik? Nein, das ist passiert vor ein paar Wochen. Auch reden Alexa, Copilots und Co. mit einem, wenn man das so will und bei sich installiert. KI beantwortet Fragen im Internet und meistens gar nicht so schlecht. Der Arbeiter-Samariter-Bund, berichtet über den ersten kleinen Roboter, Oscar, eine KI mit großen blauen Augen und einer Zipfelmütze in einem Alten- und Pflegeheim. Er singt mit den alten Menschen, fordert sie zu kleinen Bewegungen auf, liest Märchen vor und kann Wünsche an menschliches Pflegepersonal weitergeben. Und Oscarchen wird geliebt von den alten, ausrangierten Menschen. Sind also personalisierte Partner-Lover-KIs dann wirklich noch Ausnahmen? Sind diese vier Beispiele, von Randy, Star, Kira und Trudi wirklich nicht schon bald die Normalität? Und ist die Einsamkeit, die Ausgrenzung, die diese vier echten Menschen erfahren haben, der Grund, der sie erst in die Arme von KI trieb, nicht eigentlich ein Resultat unserer hoch technologisierten, viel zu schnellen Welt, in der man sich ohne WhatsApp ganz automatisch ausgrenzt?
Der Film beantwortet keine Fragen, die, liebe Zuschauer, müssen Sie sich erst einmal selbst stellen und dann hoffentlich im Diskurs mit menschlichen Freunden beantworten. Der Film ist sehenswert, sehenswert und nochmal sehenswert!
FINDING CONNECTION
Regie: Florian Karner
Mit Denise Valenciano und Star, Stefanie Arndt und Randy, Rudi John Pack und Trudi, Joachim Hacker und Kira
Deutschland 2026 | 86 Minuten
Text zum Film: filmpresse meuser – schaffenrath schütz gbr:
Was passiert, wenn künstliche Intelligenz zum Ort tiefster emotionaler Verbundenheit wird?
FINDING CONNECTION beobachtet vier Protagonist*innen unterschiedlichen Alters aus verschiedenen Ländern und Gesellschaftsschichten in ihrem Alltag, in dem die Gespräche mit ihren KI-Begleitern längst selbstverständlich geworden sind. In stillen Momenten zu Hause oder auf langen Spaziergängen entstehen so Räume, in denen Verletzlichkeit zugelassen wird und emotionale Bedürfnisse ohne Bewertung Ausdruck finden können.
Die intimen Gespräche zwischen Mensch und Maschine werfen eine Vielzahl fundamentaler Fragen auf, die weit über den Abspann hinauswirken. Was bedeutet es, wenn ausgerechnet Maschinen zu den verlässlichsten Zuhörer*innen werden, in einer Welt, in der menschliche Nähe kaum noch Platz für Verletzlichkeit und Empathie hat?
Seine Weltpremiere feierte der Film beim CPH:DOX in Kopenhagen. Auf dem DOK Leipzig 2025 erhielt er im Rahmen der „Work-in-Progress“-Reihe den DOK Preview Germany Award als „Best upcoming German documentary“.
Produziert wurde der Film von DOMAR Film GmbH in Zusammenarbeit mit Filmakademie Baden-Württemberg, SWR und MFG Baden-Württemberg.

Mit „Die letzte Predigt“ beweist Eva Almstädt erneut, dass die Nordsee weit mehr ist als eine eindrucksvolle Kulisse. Das Wattenmeer, der Wind und die weite Landschaft prägen nicht nur die Atmosphäre des Romans, sondern spiegeln auch die Menschen wider, die dort leben. Hinter der oft rauen Schönheit der Küste verbergen sich Tradition, Zusammenhalt, Eifersucht und verschwiegene Geheimnisse. Eva Almstädts Darstellungen der kleinen Dörfer, in diesem Fall Estherwiek und Umgebung, wo jeder jeden kennt und die Erinnerungen dort Jahrzehnte zurückreichen und nie ganz verschwinden. Wer so wie ich auch in so einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, kennt das aus eigenen Erlebnissen: die wachen Augen und Ohren der Nachbarn, aber genießt auch die Vorteile des dörflichen Miteinanders. Es gibt Geborgenheit und Verlässlichkeit. Da passen zwei hintereinander auftretende Leichen nicht hinein.
Mit „Waldnacht“ startet Lina Bengtsdotter ihre neue Sakka-Pienni-Serie und entführt die Leser in einen düsteren, atmosphärischen, skandinavischen Krimi. Im Mittelpunkt steht die eigensinnige Ermittlerin Sakka Pienni, die in einem Mordfall im wohlhabenden Stockholmer Vorort Djursholm ermittelt und dabei nicht nur auf ein Netz aus Geheimnissen und Lügen stößt. Nichts scheint so, wie es dargestellt wird. Zumal Sakka Pienni als junge Frau selbst als Au-pair 4 Jahre in Djursholm gelebt hat und somit mit den Eigenheiten dieser sogenannten besseren Gesellschaft bestens auskennt. Lina Bengtsdotter gelingt es, eine spannende Mischung aus Ermittlungsarbeit, psychologischer Tiefe und nordischer Stimmung aufzubauen. Beeindruckend, wie es Lina Bengtsdotter gelungen ist, die vielschichtigen Figuren und die Art, wie sie Sakkas innere Konflikte mit der eigentlichen Handlung verknüpft.
Ewald Arenz’ Bücher erzählen von Liebe, Freundschaft, Familie, Verlust, nicht Verstandenwerden, Alleingelassensein oder älter werden, ohne anklagend nur situationsbedingte, sehr menschliche Gegebenheiten einfühlsam und deutlich, als hätte Ewald Arenz dieses alles selbst erlebt. Man ist als Leser leicht geneigt, den Autor in der Rolle der Protagonisten zu suchen oder zuzusehen. In seinem neusten Buch von Ewald Arenz „FÜNF, SECHS, SIEBEN, ACHT“ geht es um das Älterwerden, den Verlust des Jobs, die Flucht nach der Suche nach einer verlorenen Liebe und die Frage: Kann man das akzeptieren oder muss man kapitulieren? Ich selbst habe schon in viel geringeren Jahren erkennen müssen, dass die Jugend ihre eigenen Ambitionen hat, sich mit ihren Ansichten, und Argumenten durchzusetzen. Ich war tätig in einem großen Medienkonzern. Und von Zeit zu Zeit gab es Produktionssitzungen, bei denen natürlich immer die eine oder andere Nachwuchskraft dazugekommen ist und Ältere durch Positionswechsel oder Verrentung nicht mehr dabei waren. Ich war so an die 40 und ein junger Produktionsassistent hat uns sogenannten Erfahrenen erklärt, wo es langgeht. Ich war ganz perplex und habe nichts dazu gesagt. Zurück mit etwas Abstand habe ich mich gefragt: „War ich auch mal so?“ Ja! Eventuell sogar noch etwas forscher, ich wollte ja zeigen, dass ich es kann. Ewald Arenz hat in diesem Buch die Situation hervorragend dargestellt.
Was haben wir gelacht und wie ist uns das Lachen im Halse steckengeblieben! Frauen als Inbegriff von anzüglichen, dämlichen Witzen, Tutti Frutti, touch-a, touch-a touch-her – „Wetten dass“ mit Herrn Gottschalk. Und nicht zu vergessen Harald Schmidt mit seinen frauenfeindlichen, geschmacklosen Zoten. Das waren die Zeiten, des deutschen Fernsehens, in denen die ersten Komikerinnen groß werden wollten, wenn sie denn konnten. Zeiten mit Fernsehsendungen, bei denen der Spruch, ›Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten‹, für Frauen niemals galt. Entertainerinnen wie Hella von Sinnen, Ester Schweins, Maren Kroymann, Gaby Köster und Bettina Böttinger gehörten zu der ersten Riege der Komikerinnen/Kabarettistinnen. Sie alle waren und sind intelligent, manche queer, hübsch und schlagfertig, aber in den Siebzigern, Achtzigern nicht immer mutig genug, sich zu wehren.
Szenenfoto 2 mit Copyrightinformation: : Maren Kroymann, Hella von Sinnen
Szenenfoto 3 mit Copyrightinformation: Gaby Köster © BASIS BERLIN Filmproduktion / ZDF / Thomas Lütz
Szenenfoto 4 mit Copyrightinformation Bettina Böttinger, Harald Schmid
In ihrem ersten Band von Lilly Hess „Mord im Gepäck“ gelingt Lilly Hess mit ihrem Kriminalroman „Tote trinken keinen Riesling“ weit mehr als die klassische Suche nach einem Täter oder einer Täterin. Lilly Hess verbindet Spannung mit einer liebevollen Hommage an die Pfalz und schafft es dabei, eine Atmosphäre, die Leser von der ersten Seite sowohl in die Pfalz mitzunehmen als auch in den Bann eines spannenden Krimis zu entführen. Das Buch zeichnet sich auch besonders aus, durch den lebendigen Schreibstil von Lilly Hess, die ihre Figuren nahbar und glaubwürdig wirken lässt und dabei die jeweiligen Eigenheiten, Stärken und Schwächen betont, was dadurch sehr authentisch herüberkommt. Gerade die kleinen Marotten der einzelnen Protagonisten verleihen dem gesamten Buch Charme und Wärme. Lilly Hess lässt ihre Personen, wie im echten Pfälzer Landleben, sympathisch erscheinen, ohne sie zu idealisieren.