Was mir bei diesem besonderen Kinderbuch als Erstes zu Herzen ging, war der Stil. Es erinnert an die ganz großen Kinderbücher, wie „Emil und die Detektive“ oder „Das doppelte Lottchen“. Dass Erich Kästner Pate gestanden hat bei den Deichrebellen, merkt man einfach. Denn die Autorin begibt sich als Erzählerin auf die Ebene der kleinen Leser und berichtet als allwissendende Autorin, was in diesen kalten Wintertagen am Deich alles passiert. Auch die Protagonisten, der kranke Ludwig, und auch die etwas verrückte Moria, haben mit den beiden Kindern, aus Kästners legendärem Kinderbuch „Pünktchen und Anton“, gewisse Ähnlichkeiten.
Nikola Huppertz zaubert mit den Deichrebellen eine moderne, aber dennoch warme Geschichte über Kinder, die sich einfach in der heutigen Welt verlieren. Ludwig flüchtet sich in Rückzug und Krankheit, während Moria zu viel grübelt und sehr schwermütig wird. Doch die winterliche Nordsee, Freundschaft und bodenständige, liebevolle Erwachsene helfen ihnen auf dem Weg zurück. Und darum geht es im Einzelnen: Ludwig hat schon viel zu lange eine schlimme Bronchitis, die vielleicht nur mit einem Aufenthalt an der Nordsee ausgeheilt werden kann. So bringt ihn seine Mutter in das alte Sielwärterhäuschen zu ihrer langjährigen Freundin Uta und ihrem Mann Bernhardt. Dort schläft Ludwig zu seinem Entsetzen in einem Schrankbett, einer Alkove, hat keine Internetverbindung, um Minecraft zu spielen, und findet das graue Meer, an dem es ununterbrochen regnet, eigentlich nur schrecklich. Doch Uta, die seine Oma sein könnte, schleppt ihn zu täglichen Spaziergängen an den Strand. Bernhard, noch älter als Uta, ist eine Leseratte und führt Ludwig mit dem allabendlichen Vorlesen langsam an Autoren der Weltliteratur heran. So weiß Ludwig bald, wer Emily Brontë und ihr Roman „Sturmhöhe“ ist, weil Cathy in dem Buch ja auch in einem Schrankbett schläft. Wer Thomas Mann und sein Hans Castorp sind, der ja eigentlich nur einen Freund in der Lungenklinik, dem „Zauberberg“, besuchen will, aber selbst lungenkrank wird und hustet wie unser Ludwig. Die schönste Begegnung aber hat Ludwig, als er Moria, die eigentlich Meike heißt, trifft und beide richtig gute Freunde werden. Auch wenn Moria völlig verrückte Ideen hat. Doch schon bald brauchen die beiden einander mehr, als sie denken, und dann ist da noch das vermaledeite Bauprojekt, das Reemersiel für immer verändern würde. In der Hinsicht gibt es Arbeit, denn das wollen die beiden unbedingt verhindern. Ludwig, Moria und das Schaf 1899 werden zu den Deichrebellen und dabei plötzlich gesund an Körper und Seele.
Ich habe es so sehr genossen, das Buch zu lesen. Die wunderschönen literarischen, doch kindgerechten Erklärungen von Bernhard, der gegenüber Moria sogar seinen „John Maynard“ von Theodor Fontane mit Inbrunst verteidigt. Die ostfriesischen Gerichte, die im warmen, vom Kamin erleuchteten Sielwärterhäuschen serviert werden. Das tägliche Prüfen des Sieltores, die Erläuterungen zur Tide und den Deichen. Auch die Erwachsenen in den Deichrebellen sind Erich Kästners Protagonisten sehr ähnlich. Denn fast alle sind warmherzige, vernünftige Menschen, die versuchen, ihre Kinder einfach nur zu lieben. Ein Bravo von mir, denn dieses Kinderbuch kommt an die wirklich ganz großen Bücher in diesem Bereich heran. Es ist liebevoll, sehr klug und es gibt Kindern nicht nur Mut, sondern vielleicht auch eine gewisse Lust auf Literatur mit. Das Wichtigste ist jedoch, dass die Kleinen merken, wie wichtig Freundschaft und die Natur sind.
In „Heldinnen, Herrscherinnen, Heilige“ untersucht die britische Kulturhistorikerin Janina Ramirez, wie reale Frauen vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert zu Bausteinen europäischer Nationalmythen wurden. Dabei erzählt sie nicht einfach bekannte Lebensgeschichten nach. Sie zeigt, wie spätere Generationen Biografien umdeuteten, romantisierten oder für politische und religiöse Zwecke zurechtbogen. Aus widersprüchlichen Persönlichkeiten wurden dadurch scheinbar eindeutige Sinnbilder für Reinheit, Opferbereitschaft, Frömmigkeit oder Macht. Besprochen wurden solche Persönlichkeiten wie Johanna von Orléans, Lady Godiva, Isabella von Kastilien, Katharina von Siena, Adelheid von Burgund, Lola Montez.
Erst einmal einen herzlichen Glückwunsch an den Verlag zu dem genialen Cover. Es ist total retro und zeigt Amy, Steve und Rosie, wie ich sie mir vorgestellt habe. Total sympathisch und ich hätte allein wegen des Covers nach dem Buch gegriffen. Schon nach dem ersten Teil war ich völlig verliebt in die schrulligen Charaktere, die Richard Osman sich da ausgedacht hat. Es sind etwas überzogene Kriminalgeschichten, die mit einem Augenzwinkern und unendlich viel Humor erzählt werden. Selbst die größten Ganoven haben bei Osman meist einen liebenswerten Touch beziehungsweise Tick. Zu gerne nimmt er auch seine eigenen Landsleute auf den Arm und zeigt die die kulturellen Eigenarten mit einem verständnisvollen Lächeln.
Was für ein herrliches Hörspiel für Kinder, die beim Zuhören sofort animiert werden, mitzumachen. Was gibt es Schöneres, als wenn die Kinder zuhören und begeistert dabei aktiv sind? Dieses fröhliche Kinderlachen vergisst man nicht mehr. Bei „Weck den Weihnachtswichtel“ von Nico Sternbaum hatte ich sofort das Gefühl: Dieses Hörbuch möchte nicht nur einfach gehört werden – es fordert einen auf, gerade in der Gruppe oder im Kindergarten gemeinsam mitzumachen und zu lachen.
Für ein Thema, in dem es um einen gewalttätigen Vater geht, der an einer drogeninduzierten, chronifizierten schizoaffektiven Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp, erkrankt ist, fällt es regelrecht auf, wie leise der Film ist. Wie weich und zart, die Annäherung der Tochter an den Vater vonstattengeht und wie sehr die Kamera dabei eine Rolle spielt. Denn sie ist sowohl Garant einer Realität, die aufgenommen wird, als auch der notwendige Abstand, der vor allem am Anfang, der wieder aufgenommenen Beziehung, zwischen Jelena und ihrem Vater Detlef steht.
Szenenbilder: ® Copyright EKWEG-©-Made-in-Germany-Filmproduktion-_-mindjazz-pictures-Filmstill
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Es musste ja passieren und mit Recht, das Backbuch zu den Romanen von Maria Nikolai „Die Schokoladenvilla“. Schon beim ersten Durchblättern von „Die Schokoladenvilla-Backstube“ hatte ich das Gefühl, nicht einfach nur ein Backbuch in den Händen zu halten, sondern in die Welt von Maria Nikolai zurückzukehren. Das Buch verbindet über 50 süße und herzhafte Rezepte mit Bildern, Anekdoten, Interviews, ausgewählten Textpassagen und der erstmals veröffentlichten Geschichte „Böhmische Sinfonie“. Für mich entsteht dadurch ein liebevoll gestaltetes Lese- und Backvergnügen, das weit über eine gewöhnliche Rezeptsammlung hinausgeht.

Sie weiß nicht, wer sie ist, er schon. Ein Survival-Thriller zwischen tödlicher Natur und wissenschaftlichem Ehrgeiz. Mit „Die Gejagte“ legt René Anour einen spannungsgeladenen Thriller vor, der seine Hauptfigur Jess ohne Erinnerung, verletzt und in Handschellen mitten im Dschungel erwachen lässt. In unmittelbarer Nähe befinden sich ein schwer verletzter Mann und die Spuren eines Flugzeugabsturzes. Bevor Jess ihre Lage begreifen kann, wird aus der Hoffnung auf Rettung eine gnadenlose Verfolgungsjagd. Von diesem Moment an verbindet der Roman das Rätsel um ihre Vergangenheit mit einem kompromisslosen Kampf ums Überleben.