
Endlich kommt der Frühling, ich hoffe es wenigstens, doch die ersten Wildgänse sind bereits zurückgekehrt. Dieses Jahr möchte ich meinen kleinen Reihenhausgarten noch wilder gestalten. Da in unserer Siedlung die Nachbarn genau wie ich immer älter werden, entscheiden sie sich oft für zu viele Platten und Beton, einen Wintergarten oder nullachtfünfzehn Rasen. Wir brauchen aber Insekten, Bienen, Schmetterlinge, und daher: Ran an die Arbeit, ran an den Dreck. ›Klein und Wild‹ ist genau der richtige Ratgeber. Vor zwei Jahren hatte ich mit einem Wildblumenrondell angefangen, doch das verunkrautet sehr schnell und viele dieser Wildblumen sind ebenfalls nur Jährlinge, kommen nicht wieder. Darum ist es gut, Anweisungen von einer erfahrenen Gärtnerin zu bekommen und das auf Hobbygärtner-Augenhöhe. Denn es fängt mit dem Boden an, und ich glaube, ich werde mich an die Anweisungen halten und damit beginnen. Auch muss ich mich wie empfohlen etwas in Geduld üben, denn ein Obstbaum oder Spalier wächst nicht innerhalb von einem Jahr. Klein und Wild führt einen in ein verzauberndes Gärtnern ein und hilft Leuten mit Minigärten, Reihenhausparzellen und winzigen Vorgärten. Mit dem Buch kann man das Beste für Insekten, Vögel, Kleintierchen und sich selbst tun. Denn die Fotos in dem Ratgeber sind eine Augenweide. Also ran an den Speck, ich meine den Garten, und die eigenen kleinen Biotope erschaffen.
Dies ist ein Ratgeber für Anfänger, Fortgeschrittene und Gartenliebhaber. Allein die vielen wunderbaren Fotos, der Pflanzen und Tiere sind eine wahre Freude. Mal ganz abgesehen von den Tipps und Tricks, die einem helfen, ein Blütenmeer zu erschaffen.

Soeben habe ich Endzeit verschlungen. Es ist der vierte Teil der Ted Garner-Reihe. Auch wenn es ein Roman ist, kann man die reale Wirklichkeit herauslesen. Beeindruckt bin ich von der Geschichte wie auch von Frauke Buchholz, die durch ihre jahrelangen Aufenthalte in Kanada auch den Mut hatte, so ein brisantes Thema in ihrem Thriller aufzunehmen, um es uns so näherzubringen. Gerade in welcher Art und Weise Frauke Buchholz die Geschichte der First Nations in Kanada aufgreift und die unfassbare Vergangenheit in Kanada mit Unterdrückung, Rassismus und Zwangseingliederung aufdeckt. Wir erfahren erst in letzter Zeit über die Medien, wie der Landraub vonstatten ging und mit welcher Gewalt bis in die heutige Zeit mit den indigenen Völkern umgegangen wird.
Was für ein Mut, Romeo und Julia nach Ostfriesland zu verlegen! Jedes Kapitel wird mit einem Satz von William Shakespeare eröffnet. Na, abgeschrieben? Weit gefehlt! Von Elke Nansen kommt hier ein Kriminalroman, der mehr als einen bemerkenswerten Ablauf hat. Eine sehr gelungene Geschichte mit vielen Wendungen, Verwirrungen und nicht zu erwartenden Entwicklungen. Ich bewundere Elke Nansen, wie sie mit den Lesern spielt, sie in die Irre leitet und ein mehr als unerwartetes Ende ersinnt. Das Buch ist spannend und mitreißend, und ich verspreche es Ihnen, Sie legen den Roman nicht mehr aus der Hand, bis das traurige Ende von Roman und Jule zwischen Selbstmord oder doch Mord aufgeklärt ist. Das Buch ist wirklich lesenswert und im Vergleich mit den bekannten Krimiautoren ist dieser Roman von Elke Nansen, mal auf Französisch gesagt: „extraordinaire“!
Ein Kinderbuch von Ferdinand von Schirach?, dachte ich mir und habe es erst einmal mit Skepsis angefangen. Doch es war wieder eine Freude, das Buch zu lesen, wie jedes einzelne Buch dieses fantastischen Autors. Alexander ist eine rührende, berührende Geschichte über Menschenrechte, die nicht nur clevere ›Kinder‹ zum Denken anregt. Betrachte ich mir momentan einen großen Teil der deutschen Gesellschaft, ist dieses Buch jedoch auch vielen Erwachsenen ans Herz zu legen. Genau für die Menschen, die der Demokratie überdrüssig sind. Die von Freiheit, Gleichheit und Meinungsfreiheit nichts mehr halten und das Grundgesetz erst einmal durchblättern sollten, bevor sie die Grundfeste der deutschen Demokratie einreißen möchten. Das Buch hat mich tief bewegt, weil die Geschichte aus der Sicht eines unverdorbenen, klugen Jungen geschildert wird, der Despoten, Scharlatane und Schaumschläger als das erkennt, was sie sind. Der jedem Menschen jedoch Freiheit, Meinungsfreiheit, Gleichheit, Entfaltung der Persönlichkeit und vor allem die menschliche Würde wünscht. Auf seiner Suche nach gerechten Gesetzen, spricht er mit ganz verschiedenen Leuten, erfährt ihre Prioritäten und überzeugt am Ende einen strengen König, der sich dadurch für den Frieden entscheidet.
Die Serie Grenzfall, mit den beiden Ermittlern Alexa Jahn und Bernhard Krammer habe ich erst mit Band 6 entdeckt. Nun, eines muss man der Autorin lassen: Die beiden Protagonisten sind einfach sehr sympathisch und mit all ihren Sturheiten, Macken und dem Herzblut, mit dem sie ihren Fällen nachgehen, sogar realistisch. Außerdem sind sie Tochter und Vater, sie Polizistin in Bayern und er beim LKA in Tirol. Wobei es bei Oskar, Alexas Wunderhund, der Lassie Konkurrenz macht und fast sprechen kann, mit der Realität schon wieder aufhört. Der Fälle sind spannend und mehrgleisig erzählt und doch irgendwie hängen sie zusammen. Und bis zur Mitte ist alles sehr nachvollziehbar, leider überzieht der Krimi in der zweiten Hälfte für mich etwas. Es kommt einfach zu viel zusammen, doch wenn Sie solch komplexe Krimis mögen, sind die bei Anna Schneider genau richtig. Vielleicht hätte ich mit Band I beginnen sollen und wäre dann etwas begeisterter. Aber nicht falsch verstehen, es ist ein solider Krimi, der bestimmt seine Fans hat, und es ist eine Leseempfehlung.
Wie sollte es anders sein, wenn eine japanische Autorin, Junko Takase, einen Roman mit dem Titel „Richtig gutes Essen“ schreibt, spielt der natürlich in Japan. Japan hat ein spezielles, eigenes, kulturelles Arbeitsleben. Im Roman wird das normale Leben in der Bürowelt in Japan beschrieben. Genauso wie es ist, dass man Überstunden (ohne Bezahlung) erwartet. Es geht oft bis 20:00 Uhr und später hinaus. Dass da wenig Zeit für privates Leben ist, bleibt da nicht aus, dass dabei eine besondere Arbeitswelt mit dem Umgang miteinander, inklusive persönlichen Beziehungen, entsteht, ist zwangsläufig. Junko Takase beschreibt dieses moderne Arbeitsleben pointiert, mit allen Facetten des Bürolebens, inklusive der Rolle des (guten) Essens und der persönlichen Vorlieben.
Schreiben Autoren für sich? Schreiben sie für ihre Leser? Lieben sie nur sich und ihr Buch und übersehen sie ihre Partner/Mitmenschen? Alice Feeneys „Nebelinsel“ ist ein Thriller, der langsam von der Erzählform einen in den Bann zieht und sich in der Geschichte in einen Thriller verwandelt. Allein schon die lange Einleitung dahin ist so spannend, dass man weiterlesen muss. Man möchte doch wissen, was aus dem Schriftsteller Grady wird. Alice Feeney ist hier ein Meisterwerk gelungen, von der Beschreibung der misslichen Situation des Schriftstellers Grady, eine Spannung bis zum Schluss aufzubauen und dabei mit vielen Wendungen zu spielen.