
Am 7.März 2026 wurde Albrecht Weinberg 101 Jahre alt und verstarb am 12. Mai 2026 in seiner Heimatstadt Leer. Einer der letzten Überlebenden von Auschwitz, ein Zeitzeuge des schlimmsten Völkermords, der je passierte. Die organisierte Vernichtung von sechs Millionen Menschen, die aufs Erbärmlichste geschunden, gefoltert und ermordet wurden.
Man kann dieses Buch als wahrer Mensch nicht lesen, ohne immer mal wieder in Tränen auszubrechen. Es ist einfach unglaublich was Menschen, Menschen antun können und das ohne Sinn und Verstand. Auch rechtfertigt kein gegebener Befehl oder noch so verblendete Ideologie solch ein Tun. Jedoch vergisst Albrecht Weinberg auch nicht die Menschen, die verschüchtert heimlich vielen Juden halfen, mit Lebensmittelrationen und Beistand. Aber auch nicht die Täter, die nach Kriegsende davonkamen, die sich sofort wieder ins gemachte Nest setzten und den Hass auf die Juden, die viele selbst nach einem verlorenen Krieg nie ablegten.
Nicolas Büchse hat als erfahrener Journalist die Geschichte von Albrecht Weinberg und seiner Familie niedergeschrieben. Er macht es gut, mit Pausen zwischen den grausamen Beschreibungen der Zeit von Zwangsarbeit und vor allem in den Konzentrationslagern. Denn sonst könnte man es als Leser nicht verkraften. Kaum kann man die Ereignisse lesen, wie konnte man so etwas überleben?
Daher ist es so wichtig die Zeitzeugen und wenn es nur in Büchern ist, wieder zu Wort kommen zu lassen. Eine demokratische Gesellschaft darf nie vergessen, aus welch bitteren Wurzeln sie entstand. Und vor allem die jungen Menschen, wenn Herr Weinberg in Schulen gesprochen hat, waren immer wieder interessiert, zu erfahren, was damals wirklich geschah. Für mich ein wichtiges Buch, das in Zeiten von aufstrebenden Diktatoren und Kriegstreibern auf aller Welt umso brisanter und bedeutungsvoller wird.
Ich selbst bin in einem Forsthaus aufgewachsen und habe dadurch einen Bezug zur Jagd. Meine Mutter hat das erlegte Wild bestens zubereitet. Vielleicht habe ich daher auch die Leidenschaft fürs Kochen entwickelt. Deshalb hat mich Harald Rüssels Wilde Zeiten Küche tief berührt. Das Buch ist weit mehr als eine bloße Sammlung von Rezepten – es ist ein liebevoll gestaltetes Zeugnis dafür, wie eng Naturverbundenheit und kulinarischer Genuss miteinander verknüpft sind. Die stimmungsvollen Bilder erinnern mich an eigene Erlebnisse im Wald: das frühe Licht, der Respekt vor dem Wild, die Dankbarkeit für jedes Tier, das sorgfältig verwertet wird. Doch habe ich mich auch gefragt: Meint Harald Rüssel den Titel „Wilde Zeiten Küche“ vielleicht zweideutig, ein Hinweis auf die neue Situation in seinem Betrieb? Harald Rüssel hat nämlich seine beiden Söhne Maximilian und Frederik, beide ausgebildete Konditoren und Köche, nach den Wanderjahren, in den heimischen Betrieb „Landhaus Rüssel St. Urban“ zurückgeholt. Dass die beiden eigene Ideen und Änderungen mitbringen, führt zu wilden Zeiten. Wie sagt Harald Rüssel selbst: Die Kraft der Jugend – Next Generation: Bleibt alles anders! Ich habe dabei sehr geschmunzelt. Den Stolz auf die beiden Söhne und ihre Ideen kann man auch herauslesen.
Zusätzlich lädt ein Button ein, dieses Buch zu nehmen, mit den Worten: „Ein ehrliches Kochbuch für alle, die es eilig haben – aber trotzdem gut essen wollen“. Den Einführungstext sollte man unbedingt lesen. Sehr aufschlussreich erzählt uns Simon Traver, wie es zu der Idee zu diesem Buch gekommen ist. Angetrieben von dem für ihn (und auch für mein Empfinden) nervigen Wort „Essen muss gesund sein!“ Simon Traver sagt: Gesund heißt doch nicht fad und langweilig. Gesund heißt doch nicht Kalorien zählen. Gesund ist, was zufrieden macht, und wenn ein Teller mit köstlicher Pasta ein Lächeln ins Gesicht zaubert, dann ist das genau richtig. Da Simon Traver sich seit 10 Jahren vegetarisch ernährt, hat er seine Rezepte ganz ohne Fleisch und Fisch kreiert. Meiner Meinung nach gehörte hierfür ein Hinweis auf das Cover. „Heute keine Zeit? Koch das!“ sind Rezepte, die schnell zuzubereiten sind, einfach zusammengestellt und köstlich schmecken. Wer hat denn schon immer Zeit oder Lust, Stunden in der Küche zu verbringen?
Obwohl ich recht gut war in Chemie, war das Periodensystem mit seinen damals nur 106 Elementen eine echte Herausforderung. Man muss sich das mal vorstellen: Wir haben damals die Gruppen und Perioden noch auswendig gelernt. Ist dadurch viel hängen geblieben? Nicht wirklich! Auch hatten wir damals noch nicht das Verständnis der quantenmechanischen Auswirkungen auf unser statisches Atommodell und die kinetische Wirkung der Elektronen. Aber dadurch ist das Periodensystem mit den Jahren eigentlich noch komplizierter geworden.
True Crime hat eine fast morbide Anziehung auf uns Menschen, und zwar für Personen aller Couleur und auch jeden Alters. Und es ist kein Phänomen, das mit CSI, New York, Las Vegas oder Miami in die Freizeitunterhaltung Einzug hielt. Bereits meine Oma saß beim Gläschen Kellergeister schon 1968 vor dem Fernsehen und sah sich Zimmermanns Aktenzeichen XY – ungelöst an. Als ich dann alt genug war, durfte ich auch mitschauen. Was dieses Buch gerade so spannend macht und sich von den vielen anderen Sachbüchern zu dem Thema unterscheidet, ist die Zeitspanne, von der Helmut Eigener redet. Es geht um Fälle, die in den Jahren von 1962 bis 2014 stattfanden und in denen er als Cold Case-Ermittler arbeitete. Nicht jeder Fall konnte gelöst werden, auch wenn er mehr als einmal aufgerollt wurde. Manche scheiterten trotz genügend Indizien an juristischen Fragen und in manchen der Fälle war der Mörder bereits verstorben. Manche Taten konnten aufgeklärt werden und den noch überlebenden Angehörigen konnte durch die Verhaftung des Täters endlich ein Abschluss gewährt werden. Anhand der beschriebenen Fälle und ihres Alters erklärt Helmut Eigner sehr anschaulich, wie sich die Forensik, die juristischen Verfahren und besonders durch den Einzug des Internets und der sozialen Netzwerke, sich die Ermittlungen der Kriminalbeamten und Kriminalbeamtinnen grundlegend verändert haben.
Ach, ich bin ja in meine Kindheit versetzt. Wer kennt sie nicht, die Buchstabensuppe? Eine kräftige Brühe, bei meiner Mutter immer mit Gemüsewürfeln und darin die Buchstabennudeln. Wir Kinder saßen immer vor unserer Suppe und jeder hat versucht, zuerst seinen Namen zu finden und dann andere Wörter zu bilden. Alle schön auf den Tellerrand gelegt und ganz zum Schluss genüsslich verspeist. Daraus ein Lese-Lernspiel zu machen, ist Lissa Lehmenkühler bestens gelungen, und Pe Grigo hat mit einer kindgerechten, lustigen Illustration wunderbar dazu beigetragen.
Dieses Kochbuch war für mich eine echte Herausforderung, und die bestand darin, es überhaupt erst aufzuschlagen. Hat man den ersten Schritt jedoch gemacht, ist man im Traumland des Genusses. Die Rezepte sind allein nur beim Lesen eine Freude und man möchte alles unbedingt probieren. Man versteht sofort, was der Koch meint, wenn er sagt: Genuss ist, wenn man sich selbst nicht mehr hört. Wenn man plötzlich mal kurz weg ist, sich verliert und verändert wiederkommt. Und beim Lesen und Betrachten der Rezepte schlemmt man schon mal auf platonischer Ebene. In dieser Hinsicht gebe ich diesem Kochbuch zehn von zehn Sternen und drei Sonderfunkel. Aber – und natürlich kommt ein Aber, wenn man meinen ersten Satz liest: Ich frage mich nämlich, warum man ein solch fantastisches Kochbuch schmälert mit so zum Teil abstoßenden Fotos. Warum inszeniert sich Max Strohe auf dem Cover wie ein völlig in der Midlife-Crisis steckender Mitvierziger mit pubertären Anwandlungen? Er empfängt die Leser mit einem Mittelfinger rechts, einer Kippe in der linken Hand und einem T-Shirt mit der Message: No one is thinking about you! Ich finde so etwas als Leser nicht cool noch hip, sondern reichlich abtörnend. Das gilt auch für einige Fotos seines jungen Teams. Ist denn Provokation die Lösung, um auch junge Menschen auf einen sinnlichen Umgang mit Essensgenuss zu bringen? Nein, das glaube ich nicht. Denn so sinnlich die Rezepte in diesem Kochbuch sind, so feinsinnig ist auch die Fotografie der Resultate: ansprechend, einladend und irgendwie verführend. Leider ist das Cover zu vergleichen mit einem Löffel Kartoffelpüree, das auf einen angeschlagenen, dreckigen Teller geklatscht wurde, da hilft es dann auch nicht, wenn Sommertrüffel drin sind.
Nach „Tödlicher Duft“, „Tödliches Gebet“ und nun „Tödliches Déjà-Vu“ ermittelt der sympathische Commissaire Louis Campanrad weiter in der Provence. Nirgendwo passt sein neues Thema besser hin als in die Provence mit der atemberaubenden Landschaft, dünn besiedelt, das goldene Licht über den lilafarbenen Lavendelfeldern mit den summenden Bienen und den vielen Insekten. Heute weiß man, dass wir ohne Bienen nicht überleben können. In einigen Landstrichen in China sind durch den aggressiven Einsatz von Pestiziden die Bienen schon ausgerottet. Dort werden Menschen mit Pinseln eingesetzt, mühsam die Blüten per Hand zu bestäuben. Unsere Chemiekonzerne, die Pestizide entwickeln, müssen daher sehr aufwendige Tests durchführen, bevor sie ihre Produkte überhaupt zum Einsatz bringen dürfen. Die Landwirte mit ihren riesigen Monokulturen, von für uns schönen Lavendelfeldern, benötigen diese aber. Sollte ein Befall durch Bakterien oder Zikaden auftreten, sind die Felder verloren. Von René Anour ein sehr gut ausgewähltes Thema und mehr als anschaulich in eine sehr spannende Geschichte gesetzt.
Haben Sie den Horrorfilm ›Der Ring‹ gesehen? Er wurde im Jahr 2002 mit Naomi Watts verfilmt, doch das Original stammt aus Japan und basiert auf einem Roman des Autors Kōji Suzuki. Und damit nicht genug: Er soll aufgrund wahrer Ereignisse zur Legende aus dem vierzehnten Jahrhundert geworden sein. Und genauso ist das in Japan: viel Mystik, Aberglaube und eine gewisse Spiritualität, die nicht mehr unbedingt auf religiöser Frömmigkeit basiert. So handeln die sogenannten Kaidans, Gruselgeschichten auch heute noch von Totengeistern, Dämonen und Kobolden. Und jetzt kommt der eklatante Unterschied japanischer Horrorgeschichten zu denen, die wir im Westen und vor allem aus dem US-amerikanischen Kino kennen. Es benötigt keines Blutbades und Gemetzels, um den Leser das Grauen zu lehren. So spielt auch der Schrein mit dem unausgesprochenen, allgegenwärtigen Grusel, dem sich die Protagonisten nicht entziehen können. Es passieren kleine unerklärliche Dinge, doch erst einmal gibt es keinen Toten. Es schleicht sich etwas ein in dieses Buch, diese Geschichte, sodass der Leser sich bald fühlt wie Minami, die Protagonistin im ›Schrein‹. Der wahre Grusel spielt sich im Kopf ab und das Unheimliche, das Böse schleicht sich in den Alltag, das Leben und die Seele der Charaktere. Dadurch, dass in Japan so viele unausgesprochene Regeln gelten und man nie mit der Tür ins Haus fällt, werden solche Gefühle auch nicht rege ausgetauscht, und so muss jeder der Protagonisten selbst entscheiden, ob er verrückt wird oder wirklich Geister hinter ihm her sind. Nicht jedermanns Sache, ich liebe diese japanischen Gruselgeschichten und auch Thriller und Krimis, gerade wegen der kulturellen Unterschiede.